Deutschschweizer Ehepaar bietet im 46-Seelendorf Indemini Ferien fern des alltäglichen Stresses

AM „ANFANGDER WELT“ DAS PARADIESGEFUNDEN

von Heidi Bono
Rosmarie Brennwalder und Beat Wüthrich unterstützen den sanften Tourismus

So etwas wie ein „Aussteiger-Paar“, aber doch auch überaus traditionell: das sind Rosmarie Brennwalder und Beat Wüthrich in Indemini. Sie selber lieben schönes Wohnen, gutes Essen und intensive Gespräche. Möchten aber auch anderen Menschen ermöglichen, aufzutanken und abzuschalten vom AlltagsStress. Ob sich das realisieren lässt an der Südflanke des Gambarogno?

Rosmarie Brennwalder und Beat Wüthrich (beide Jahrgang 1948) waren im Bernbiet im Schuldienst als Lehrer überaus engagiert. Wüthrich lernte durch einen Schulkollegen im Jahre 1965 Indemini, das abgelegene Bergdorf im Tessin, kennen und lieben. Schon damals hätten die Einheimischen nicht begriffen, warum man da hinauf kommen konnte; sie selber wollten ja eigentlich grossmehrheitlich fort, erzählt Beat Wüthrich. 1973 hat er ein Rustico gekauft und viele Ferien mit seiner Familie mit Umbauen, aber auch Zeiten intensiven Geniessens in diesem Dorf verbracht. „Im Jahr 2006 haben wir den Schuldienst verlassen und sind ganz nach Indemini gezogen“, berichten die beiden.

Ein Teilpensum in der Lehrer-Weiterbildung des Kantons Bern hätten sie zum Beginn noch behalten. „Wir wollten aber vor allem nochmals etwas ganz Neues anfangen.“ Rosmarie Brennwalder hat noch einen zusätzlichen „Kick“ anlässlich eines Kurses zum Thema „Grenzen des Lernens im Alter“ erhalten. Dann aber auch in Seminaren mit Niklaus Brantschen: „Was macht Sinn im Leben“ (Schweizer Jesuit, Zen-Meister). Nach intensiven Gesprächen sei ihnen klar geworden, dass sie sich beim Umsteigen mit Hausbauen beschäftigen wollten, mit Garten bepflanzen, Holz heranschaffen, sie wollten einfach einen Teil des Unterhalts selber – mit den eigenen Händen – erarbeiten.

Für eine kurze Zeit sei sogar zur Diskussion gestanden, diese Wünsche auf einem Hügel im Emmental zu realisieren. „Indemini hat dann aber Oberhand gewonnen, weil Beat hier bereits Wurzeln geschlagen hatte“, sagt Rosmarie Brennwalder. Zuerst galt es vor allem selber zu erleben, ob das ehemalige Ferienparadies auch im Alltag Stand halten würde. „Heute, nach sechs Jahren, können wir sagen, dass wir unser Paradies gefunden haben“, bekräftigen beide.

Im Angebot der beiden Indemini-Gastgeber sind heute zwei Studios und ein kleines Haus. Zusätzlich betreuen sie aber auch verschiedene Liegenschaften von anderen Indemini-Hausbesitzerinnen und -besitzern. Ein ganz unterschiedliches Angebot an Ferienwohnungen gebe es somit im Dorf. „Wir werden durch die Art der Vermietung unterstützt und profitieren von der Präsenz und Erfahrung der beiden Profis vor Ort“, erwähnt eine „Zugewanderte“, die leider nur ferienhalber im Dorf anwesend sein kann. „Nicht wir bieten den sanften Tourismus an, sondern der Ort selber ermöglicht dies“, erklärt Wüthrich. „Es sind vor allem die Natur, das Klima und die Stille.“ Es gebe nichts an Zerstreuung, wie in anderen Touristen-Orten. Erstaunlich sei auch, dass alle Altersgruppen sich vom Dorf angezogen fühlten. Ganz Junge seien fasziniert, Familien mit Kindern, aber auch ältere Menschen, fühlten sich wohl.

Auf der einen Seite möchten sie als Gastgeber das Althergebrachte, Gewachsene weitergeben, aber auch die neuen Errungenschaften wie Internet anbieten. Von allen Häusern gebe es über ein Passwort Zugang ins Internet, das werde heute einfach verlangt. In jedem der Ferienhäuser sei eine Grundausrüstung vorhanden. „Eigentlich können die Gäste mit der Zahnbürste anreisen, der Rest für ein gemütliches aber einfaches Leben ist da.“ Die Häuser werden im Internet beschrieben und stehen offen; bei Bedarf könne man zudem im Dorf nach dem Weg fragen. Bezahlt werde bar oder mit Einzahlungsschein, einen Bankomaten gebe es in Indemini nicht. Und die Erholungssuchenden würden nicht rund um die Uhr bemuttert oder kontrolliert. „Am meisten freuen wir uns, wenn die Augen der Besucher beim Abschied leuchten.“ Dann habe sich ihr „sanfter Einsatz“ für die Gäste gelohnt, unterstreichen Rosmarie Brennwalder und Beat Wüthrich.

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